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Wie werde ich Anti-Rassist:in? Eine Anleitung.

Was wir ab sofort konkret gegen Rassismus tun sollten



Mir wird häufig die Frage gestellt, was konkret gegen Rassismus unternommen werden kann. Allein diese Frage zu stellen kostet viele Menschen Überwindung. Es gibt Ängste, sich nicht politisch korrekt zu äußern, etwas Falsches zu sagen oder gar als Rassit:in betitelt zu werden. Die gute Nachricht vorweg: Wir sitzen alle im selben Boot. Wir werden in einem rassistischen System sozialisiert, somit sind wir alle mit großer Wahrscheinlichkeit Rassist:innen, ob wir wollen oder nicht. Das macht die Diskussion doch schon einmal etwas einfacher.


Die Sorge sich falsch auszudrücken kenne ich selber auch. Es gibt Themen, bei denen ich mich nicht so gut auskenne, und in meiner Unwissenheit sicherlich Menschen verletze, ohne dies mit böser Absicht getan zu haben. Und da liegt genau der springende Punkt: Wir meinen es ja nicht böse. Allerdings dürfen wir uns in diesen Momenten nicht im Selbstmitleid unserer eigenen fragilen Verletzlichkeit verfangen, sondern eingestehen, dass auch wir nur Menschen sind, die aber offen und in der Lage sind zu lernen.

Deswegen lautet mein Appell folgenden Weg zu beschreiten:

1) Erkenne Rassismus

2) Nutze Deine Privilegien

3) Positioniere Dich (öffentlich und privat)

4) Engagiere Dich

Was bedeutet dies genau?


1) Erkenne Rassismus

Der Weg zu mehr Gerechtigkeit startet bei Bildung. Da wir in der Schule so gut wie nichts über unsere Kolonialgeschichte lernen, fehlt uns das Wissen, die Entwicklung von strukturellem Rassismus überhaupt zu beschreiben und erklären. Die Tatsache, dass in den Medien darüber diskutiert wird, ob es Rassismus in unserer Gesellschaft überhaupt gibt macht deutlich, wie viel Arbeit vor uns liegt.

Eine gute Definition zu Rassismus stammt von Pjilomena Essed (1992):

„Eine Ideologie, eine Struktur und ein Prozess, mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige ‚Rassen‘ oder ethnische Gruppen angesehen werden. In der Folge dienen diese Unterschiede als Erklärung dafür, dass Mitglieder dieser Gruppierungen vom Zugang zu materiellen und nicht-materiellen Ressourcen ausgeschlossen werden.“

Eine Liste mit weiterführender Literatur zum Thema Rassismus findet Ihr hier.

2) Nutze Deine Privilegien

Um die eigenen Privilegien nutzen zu können, müssen wir uns über diese zunächst bewusstwerden. Wer in Deutschland Weiß und von Geburt an Deutsch ist sowie akzentfrei Deutsch spricht, erfährt mit großer Sicherheit keinen Rassismus im Leben. Was nicht heißt, dass diese Menschen von Diskriminierungen anderer Art verschont bleiben. Neben Rassismus gibt es auch andere diskriminierende -ismen wie bspw. Sexismus, Homo- oder Transfeindlichkeit sowie Ableismus (Diskriminierung aufgrund einer Behinderung). In meinen Workshops stelle ich gerne die Frage, über welche Privilegien die Teilnehmenden verfügen, wenn sie im Kontext von Rassismus zu der ‚Norm‘ gehören und was diese ihnen bedeuten.


Hier kannst Du testen, wie privilegiert Du bist – ich liege bei 30%, und Du?


Wenn wir uns unserer Privilegien bewusst geworden sind, sind wir auch in der Lage sie bewusst einzusetzen. Dein Privileg könnte z.B. sein, dass man Dir zuhört und vertraut, wenn Du etwas äußerst. In einer konkreten Situation in der Du etwas Rassistisches siehst oder hörst, könntest Du dann dieses Privileg nutzen und dagegen vorgehen.


3) Positioniere Dich (öffentlich und privat)

Im nächsten Schritt kannst Du Dich klar positionieren – ganz gleich, ob in Gesprächen im Familien- bzw. Freundeskreis oder im Büro mit Kolleg:innen. Sage, was Du fühlst und warum Du findest, dass etwas nicht richtig ist. Mir persönlich hilft in solchen Momenten die ‚VW-Regel‘: aus einem Vorwurf einen Wunsch formulieren. Anstelle nun meinem Gegenüber einen Vorwurf entgegenzubringen, erkläre ich, was mich genau gestört hat und verknüpfe dies mit einem konkreten Wunsch.

4) Engagiere Dich

Es gibt viele Wege sich zu engagieren. Ein guter Start kann zum Beispiel sein, Unternehmen Schwarzer Menschen zu unterstützen, indem Du ihre Produkte und Dienstleistungen kaufst. Der Beitritt zu Initiativen, die eine Willkommenskultur schaffen oder sich gegen Rassismus einsetzen ist ebenso sinnvoll wie sich mit Schwarzen Menschen zu vernetzen und sich auszutauschen.

„Anti-Rassist:in zu sein ist kein Zustand, es ist eine Reise. Wahrscheinlich lebenslang“
Ellen Wagner

Wenn Du Unterstützung brauchst, Dich auf diesen Weg zu begeben und Deine Fragen beantwortet wissen möchtest, dann melde Dich zu meinen nächsten Anti-Rassismus Workshop an - ein Lernraum für Weiße Menschen ohne Rassismuserfahrung. Dies ist einer von zahlreichen Schritten, die Du in Richtung Gerechtigkeit gehen kannst. Egal, für welchen Weg Du Dich entscheidest, starte noch heute, es lohnt sich!

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