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Alles Chemie, oder was?

Warum sich Coach und Coachee nicht ähneln müssen



Aus meiner Arbeit als Systemische Coach beobachte ich, dass ich am ehesten Klient*innen anziehe und coache, die mir ähnlich sind. Sie stammen häufig aus meiner Generation, sind berufstätige Mütter und haben einen vergleichbaren sozialen Status.


Die Bedeutung von Peers


Die Aussage des bekannten Sprichwortes "Gleiches und Gleiches gesellt sich gern." wurde bereits von einem ForscherInnenteam um Caroline Zink vom National Institute of Mental Health im amerikanischen Bethesda erforscht[i]. Sie fanden heraus, dass sich Menschen besonders gerne mit den Menschen befassen, die sich auf der gleichen hierarchischen sozialen Stufe befinden. Personen gleichen Ranges werden in diesem Zusammenhang auch Peers genannt. Umgeben wir uns mit Peers spüren wir Sicherheit, fühlen in unseren eigenen Werten bestätigt und lassen somit Vertrauen entstehen. Diese Voraussetzungen sind in der Coaching-Praxis essenziell, um eine Beziehung zu den Coachees aufzubauen.


Der Einfluss von Vorurteilen


Es ist hilfreich unsere Einstellungen gegenüber Menschen anderer Geschlechter, Kulturen, Sexualitäten oder Ethnien sehr genau zu überprüfen und uns dieser bewusst zu sein.

Wir bewerten Situationen und Menschen innerhalb von Sekundenbruchteilen, basierend auf Erlebtem und Gelerntem. Lesen wir bspw. das Wort CEO (Chief Executive Officer), so kann es sein, dass man damit einen weißen, männlichen Vorstand assoziiert. Ohne, dass wir darauf Einfluss nehmen können, wirken sich diese Assoziationen auf unsere Emotionen aus, die wiederum unsere Entscheidungen beeinflussen.


Der Großteil dieses Prozesses geschieht unbewusst und findet in jedem Gehirn statt.

Sogenannte systematische Fehler gelten als Verzerrungen [engl. biases], die in vorhersehbarer Weise in bestimmten Umständen auftreten.


Halo-Effekt


attraktiven, selbstbewussten Redner beurteilen wir in seiner Leistung unbewusst besser, als er moeglicherweise ist. Dieser „systematischen Fehler“ wird Halo-Effekt genannt.


Schubladendenken


Dieselben Prozesse laufen in unserem Gehirn bei der ersten Begegnung mit Menschen ab. Menschen werden von uns unbewusst einer bestimmten Gruppe zugeordnet und in „Schubladen“ gesteckt. Der entscheidende Punkt ist hierbei, sich dieser Muster bewusst [WK[1] zu sein, um Menschen und ihre Befindlichkeiten richtig einzuschätzen.


Die Haltung des Nicht-Wissens


Es kann nun der Verdacht aufkommen, dass es für die Arbeit im Coaching mit Klient*innen zwingend notwendig wäre, tiefgreifendes Expertenwissen über die Branche oder der Lebensrealität bestimmter Menschengruppen zu besitzen. Es ist sicherlich zielführend, wenn bestimmte Fachtermini oder Prozesse im Unternehmenskontext einer Branche bekannt sind, um die Kund*innen besser zu verstehen. Allerdings ist dies nicht die wichtigste Kompetenz für Coaches. Viel wichtiger ist die Haltung des Nicht-Wissens, die ein Coach einnehmen sollte.


"So, wie man nicht nicht kommunizieren kann, so kann man nicht nicht beeinflussen. Einfluss ist jeder menschlichen Interaktion eigen. Wir sind im Grunde gezwungen, unserer KlientInnen zu beeinflussen und sie sind gezwungen, uns zu beeinflussen. Die Entscheidung oder Wahl besteht darin, dies ohne Reflexion zu machen, zu versuchen, dies zu verleugnen oder es bewusst und verantwortlich zu tun." De Jong, P., Kim Berg, I. (zit. nach Weakland 1993 S. 143).

Um Coachees dabei zu unterstützen, Expert*innen für ihr eigenes Leben zu sein, müssen Coaches in der Lage sein, ihre eigenen Erfahrungen und Handlungen auszublenden. Es gilt vielmehr den Wahrnehmungen und Erklärungen der Kund*innen zu folgen, am besten indem die Haltung des Nicht-Wissens eingenommen wird.


Betrachten wir die Haltung des Nicht-Wissens, so ist eine Ähnlichkeit zwischen Coach und Klient*in nicht zwingend notwendig. Es müssten lediglich die Fertigkeiten entwickelt werden um diese Haltung zu erlangen. Das wäre meiner Meinung nach allerdings zu kurz gedacht.



Veränderung durch Beziehung


Einer der Kernpunkte, die Carl Rogers dem personenzentrierten Coaching zuschreibt ist die Veränderung durch Beziehung. Der Zugang zu eben dieser hängt aus meiner Sicht nicht ausschließlich von den Fertigkeiten der/s Coach ab, sondern darüber hinaus auch von gegenseitiger Sympathie. Denn mag ein Coachee aus irgendeinem Grund seine/n Coach nicht, so dauert der Aufbau einer guten Beziehung länger oder scheitert gar.


Für mich lautet die Antwort somit nein – ein/e Coach muss seinen/ihren Klient*Innen nicht ähneln.

Allerdings kann eine große Übereinstimmung von gemeinsamen sozio- wie psychografischen Merkmalen zum Erfolg beitragen. Diese Wirkung entfaltet sich bereits bei der Suche einer KlientIn nach einer/m geeigneten Coach bis hin zur eigentlichen Coachingsitzung.

Aus dem Blick der Kund*innenbrille heißt es eben auch nur "Gleich und Gleich gesellt sich gern.".



Mehr über den Coachingprozess und mich erfährst Du hier: www.cross-cultural-bridges.com


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